Kochen und Singen für Obdachlose

Kochen für Obdachlose

Schnitzel mit Kartoffelsalat war nur eins der leckeren Gerichte, die vergangenen Freitag von beruflichen Köchen für unsere Wohnungslosen in den Notübernachtungen gekocht wurden! (Y) Manche davon extra aus Bayern angereist. Danach gabs noch Musik und ausgelassene Stimmung. Organisiert hat dieses Küchen-Event Metalheads vs. Hunger – Rock gegen Armut, begleitet von Artrejo cinemaz production. Vielen Dank für die tolle Aktion und den tollen Film <3.

Posted by Berliner Stadtmission on Montag, 8. Februar 2016

Posted by Berliner Stadtmission on Montag, 8. Februar 2016

Unser Label CorleeMadMusic ist bereits seit einigen Jahren Unterstützer der „Metalheads vs. Hunger – Rock gegen Armut“. Eine der Aktivitäten dieser Gruppe von Berliner Rockmusikern und Supportern ist ein jährliches Kochen für die Obdachlosen Berlins. Aufgetischt wird in der Berliner Stadtmission. Und wie es sich für Rocker gehört, darf Livemusik nicht fehlen! In diesem Jahr bin ich dabei.

Die so genannte „Kälte-Notübernachtung 1“ ist eng, und auch nicht wirklich gemütlich. Es ist im Grunde nur ein Keller, notdürftig hergerichtet mit Tischen, Bänken und einer Essensausgabe. Durch einen engen Einlass dürfen ab 21 Uhr die Obdachlosen aus der Region des Berliner Hauptbahnhofes in die Räume, die auch einen notdürftigen Behandlungsraum und sanitäre Einrichtungen beinhalten.

Organisator Vinzenz van Koch („The Flying Chef“) hat kulinarische Überraschungen vorbereitet, die man sonst in diesen Kellerräumen so nicht sieht: die Wurst- und Käsebrote sind hergerichtet und dekoriert, wie es sich auf einem professionellen Büfett gehört und auf jeden Gast wartet tolle hausgemachte Suppe, erstklassiges Bio-Schnitzel und ein bunter Gourmet-Kartoffelsalat.
Obdachlose sieht man in Großstädten überall. Sie sitzen stumm am Bahnhof, wühlen in den Glascontainern, verkaufen leutselig den „Straßenfeger“ oder sitzen mit großem Hund und Irokesen-Haarschnitt am Alexanderplatz. Selbst wenn man das nicht in Ordnung findet, ist man doch daran gewöhnt. Doch wie soll man die Gefühle beschreiben, wenn man das erste Mal erlebt, wie diese Menschen in Massen auftauchen, vor einem Notquartier, das noch nicht einmal ein Bett beinhaltet, wenn sie – einer nach dem anderen – vor Dir stehen und einer notleidener als der andere wirkt?

Zwei Obdachlose, das sieht man häufig. Vier sind ein paar Kumpels auf Trebe. Aber was sind 20, 30, 100? Einzelschicksale? Ja, das auch, denn jeder ist ein einzelner Mensch mit seiner Geschichte. Erschütternd vor allem die alten, schwerkranken Menschen, sich hereinschleppen auf einem klapprigen Rollator oder alten Krücken. Mit zusammengestoppelter Kleidung, offenen Wunden, Entzündungen, müden Gesichtern.

Wir wollten ihnen einen besonderen Freitagabend bieten. Die Bühne teile ich mir an diesem Abend mit Dreemoment, einem „Gothic-Rapper“ mit Band aus Berlin. Unsere Gäste, jedenfalls jene, die die Kraft dazu haben, beäugen neugierig die aufgestellte Mikrofone und Boxen, und als die bunten Scheinwerfer aufleuchten und als ich beginne zu singen, gehen sie ab wie Raketen! Ich bringe meine liebsten Rocknummern, auch „Bad Boys I Love You“ und den „Rock’n’Roll Megastar“ und vom ersten Augenblick herrscht eine Stimmung, wie ich sie vor keiner anderen Bühne je erlebt habe. Es ist die pure Freude und Dankbarkeit, die mir entgegenschlägt. Nicht für ein gespendetes Brot, sondern für einen Freitagabend mit Konzert und Party, einen Abend, der ganz normales menschliches Vergnügen in ein aus den Fugen geratenes Leben bringt. Die Jungs und Mädels vor mir brauchen kein „Auftauen“ wie satte Partygänger, sie strömen nicht teilnahmslos an einer Stadtfestbühne vorbei; sie freuen sich, dass wir uns Mühe geben, dass wir sie als unser Publikum ernst nehmen. Dreemoment legt noch nach – mit Texten, die sehr konkret auf den Abend zu passen scheinen („Glaube an Dich, denn Du kannst es schaffen…“)

Ein sehr emotionales Erlebnis, auf beiden Seiten. Ich bin froh, dabei gewesen zu sein.